Alle Essays ansehen

Nikolaustour 2020 - Rastatter Rheinauen

Eigentlich bin ich ja ein bekennender Warmduscher, aber wenn Freund Thomas fragt, ob wir nicht dringend gemeinsam etwas gegen den Corona-Blues tun sollten, sprich: Paddeln gehen, dann antworte auch ich mit einem klaren "Ja!", selbst wenn der Tag der vorgeschlagenen Tour der 6. Dezember ist.

Immerhin, es sind über Null Grad angekündigt, Regen und Schnee sollen im Laufe des Vormittags aufhören. So kommt es auch tatsächlich, es fallen nur wenige Tropfen während der ganzen Tour. Überraschungen wird es trotzdem geben...

Der Hauptteil der Strecke soll uns durch das Naturschutzgebiet der Rastatter Rheinauen führen. Der Streckenverlauf ist vorgegeben, andere Flussarme sind gesperrt.

Originalkarte hier:

https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt5/Ref56/Documents/56_Karte7.pdf

Die gesamte Strecke ist auf der folgenden Ansicht dargestellt.

Der Einstieg in den Altrheinarm erfolgt vom Rhein aus. Um die Strecke etwas zu verlängern, starten wir beim Windsurfingclub Iffezheim auf dem Sandbach. Zügig geht es Richtung Rhein.

Start: Sandbach (Altrheinarm)

Auf dem Rhein, einer Hauptschifffahrtstraße, fühle ich mich in meinem Wildwasserkajak etwas deplatziert und habe auch Respekt vor den großen Kähnen und den Buhnen. Egal, nach kurzer schneller Fahrt - die Strömung hilft ja sehr - sind wir schon bald am Einstieg ins Naturvergnügen. Eisvögel und Reiher, Kanadagänse und Wildschweine - juhu, wir kommen! Der Rhein ist abgehakt, der wahre Spaß kann beginnen!

Leider ist die Erleichterung und Vorfreude nur von sehr kurzer Dauer: Wo wir lautlos in den Dschungel der Rheinauen gleiten wollten, stellt sich uns ein Hindernis aus groben Steinblöcken in den Weg - kein Wasser kann hier fließen, kein Kajak kann hier fahren. Zu wenig Wasser. Mist!

Alte SandbachmündungAlte Sandbachmündung. Am linken oberen Bildrand ist leider die Betonsohle des Durchlasses zu erkennen. Hier sollte Wasser fließen.

Nach kurzer Diskussion ist klar: Zurück auf den Rhein, um dann bei nächster Gelegenheit den Quereinstieg zu versuchen. Und ich hatte mich schon so gefreut, diesen lästigen Rheinabschnitt hinter mich gebracht zu haben.

Aber auf dem Rhein geht es ja sehr zügig voran, und zwei große uns entgegenkommende Pötte motivieren zumindest mich zum zügigen Paddeln. Thomas ist ein alter Paddelhase, den stört etwas Verkehr nicht im Geringsten - schnell ist er trotzdem. So biegen wir im Null-Komma-Nichts hinter genau der richtigen Buhne ins Kehrwasser und machen uns wenige Augenblicke später auf dem Landweg, die Kajaks auf den Schultern, auf die Suche nach Wasser - Wasser mit ausreichender Tiefe für eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Wir haben Glück - bzw. hervorragende navigatorische Fähigkeiten - denn es gibt einen Weg durch den Wald. Nach etwas Fußmarsch geht es dann im Boot weiter.

Aber leider nur wenige Meter, dann heißt es wieder: Wer sein Boot liebt, der zieht.

Die Stimmung leidet darunter nicht im Geringsten, wie heißt es doch so schön: "Expect the unexpected!". Und dann, yippie! endlich wieder paddeln.

Der erfahrene Leser ahnt es wahrscheinlich bereits: Wo wenig Wasser ist, ist wenig Wasser. So dürfen wir bald wieder ein wenig treideln.

Aber bald geht es dann artgemäß paddelnd weiter, bei Plittersdorf unter der Brücke hindurch, im Linksbogen Richtung Rhein, und mit dem Rhein in Sichtweite wieder nach Nordosten in einen Altrheinarm. Zwischen zwei Baggerseen muss noch kurz übertragen werden, dann geht es Richtung Murg. Auch hier ist wieder ein Fußmarsch angesagt, und dass wir dabei einen Haken schlagen, verschweigt der Chronist (aber nicht der Track).

Dann, endlich, die Murg ist erreicht.

MurgDie Murg wird auf dieser Tour nur gequert.

Dieser legendäre Wildwasserbach ist hier unten kurz vor der Mündung trostlos kanalisiert - ein trauriger Anblick! Wir müssen die Murg aber nur kurz queren, dann geht es auf die Zielgerade, durch den Goldkanal zum Strand des Paddelclub Illingen, wo unsere Tour endet.

Strand des Paddelclub Illingen am Goldkanal

Diese Route hat zwar sicher nicht den ersten Platz unter den Altrheinstrecken verdient, aber es war ein rundum schöner und erlebnisreicher Tag, und ich will keinen Meter des Paddelns und Wanderns missen. Nein, ich gehe sogar stark davon aus, dass ich jetzt wohl noch öfter außerhalb der Sommersaison paddeln werde.

Danke, Thomas!.

Allgemeine Infos: Pegel während der Tour: Plittersdorf ~320 cm, Iffezheim ~ 150 cm. Streckenlänge rund 15 km.

Noch ein Hinweis: Wesentliche Teile der Tour sind hier beschrieben: https://www.tourismus-bw.de/Media/Touren/Lebensader-Oberrhein-Kanutour-durch-die-Rastatter-Rheinaue/

Aber Vorsicht, die Angaben sind z. T. mit Vorsicht zu genießen, z. B. "Dauer 1 h", aber auch "Schwierigkeit schwer". Das mag vielleicht beim dort genannten idealen Plittersdorf-Pegel von 450 cm gelten, aber sicher nicht grundsätzlich.
  • Kleiner Fluss ganz groß: Wildwassertraining auf der Günz, 3.…

    Am 3. August war es endlich soweit: Wildwassertraining auf der Günz, genauer: auf der Slalomstrecke bei Günzburg. Wegen der unfreiwilligen Verschiebung der Veranstaltung in die Sommerferien war es nur eine kleine, aber selbstverständlich sehr feine…

     

Ausgewählte Essays

Kleiner Fluss ganz groß: Wildwassertraining auf der Günz, 3.8.2019

Am 3. August war es endlich soweit: Wildwassertraining auf der Günz, genauer: auf der Slalomstrecke bei Günzburg. Wegen der unfreiwilligen Verschiebung der Veranstaltung in die Sommerferien war es nur eine kleine, aber selbstverständlich sehr feine… Mehr lesen

Nikolaustour 2020 - Rastatter Rheinauen

Eigentlich bin ich ja ein bekennender Warmduscher, aber wenn Freund Thomas fragt, ob wir nicht dringend gemeinsam etwas gegen den Corona-Blues tun sollten, sprich: Paddeln gehen, dann antworte auch ich mit einem klaren "Ja!", selbst wenn der Tag der… Mehr lesen